Future is NOW
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00:00:05:
00:00:29: Und wer sich jetzt einen gemütlichen Liederabend erwartet, ist vielleicht auf dem Holzweg.
00:00:33: Denn die drei verkörpern die Rollen von Nina Hagen, Ferdinand Carmack und Dieter Seefrans.
00:00:40: Es geht also um Jugendkultur.
00:00:41: es geht um Pop-Rock und Punkmusik Und es geht darum was alternative Jugendkultur sein kann und was hier sein darf.
00:00:49: Wie sieht man aus?
00:00:50: Was zieht man an?
00:00:50: nimmt man Drogen und sind Tippys eigentlich gut oder sind Tippies eigentlich schlecht?
00:00:54: Und esgeht darum wie gut sich das neue mit dem alten vereinen lässt und darum was alte Opis von jungen Frauen halten.
00:01:02: wenn diese Figuren Auf diese Themen treffen sitzen wir am neunten August, neunzehnhundertneunundsiebzig vor unserem Fernseher und sehen den Club II im ORF.
00:01:11: Aber im echten Leben sitze ich hier im September zwiertausend sechsundzwanzig mit drei jungen Künstlerinnen.
00:01:16: Willkommen Johannes!
00:01:17: Willkommen Beatrice!
00:01:18: Und willkommen Martin!
00:01:20: Martin dich darf ich heute leider nur am Telefon begrüßen beziehungsweise du bist sozusagen online oder virtuell zu unserem Gespräch dazu geschaltet.
00:01:29: Du wirst erst später in September dazukommen.
00:01:32: Wir beschäftigen uns mit Eurer Performance, die am neunzwanzigsten September im Arnold-Schwindberg-Center in Wien Premiere feiert.
00:01:39: Ich war neunzehntundhundertseventech noch nicht auf der Welt und kenne diesen Ausschnitt nur aus dem Archiv.
00:01:44: Aus verlässlicher Quelle weiß ich dass ihr drei ebenfalls damals noch nicht auch auf der welt wart.
00:01:50: wie kommt man dazu sich mit genau diesem Fernsehmoment zu beschäftigen?
00:01:53: Und warum eignet sich er eure Meinung nach so gut um zwei tausend sechsund zwanzig gezeigt zu werden?
00:02:00: Ja, dann fange ich also Johannes mal an.
00:02:03: Denn das ist ursprünglich so ein bisschen auf meinem Mist gewachsen.
00:02:07: Wie stößt man auch so eine Talkshow in der Tat?
00:02:10: Den Club II kannte ich schon länger weil... Ja, das ist einfach ein ziemlich interessantes Gesprächsformat gibt.
00:02:16: Dass ich so in dieser Form in Deutschland gar nicht kenne aus der Zeit.
00:02:20: Also wirklich unglaublich interessante Leute teilweise eingeladen waren.
00:02:25: Josef Boyz war da, Giorgio Ligeti war dort zum Beispiel.
00:02:29: und ja wie es dann halt so ist auf YouTube wenn man dann einmal sowas geguckt hat, dann kommt der Algorithmus und bombardiert einen mit mehr.
00:02:36: Und dann muss ich irgendwann mal darauf geklickt haben und habe das gesehen und hab es im Hinterkopf gehabt Daraus deine Show zu machen, das kam tatsächlich aus einem ziemlich praktischen Ansatz.
00:02:48: Und zwar habe ich in Graz an der Kunst-Uni zeitgenössische Musik studiert wie auch Bier und dort muss man eine Abschlussprüfung natürlich machen bei dem Master.
00:02:58: Da fühlte ich mich irgendwie dran erinnert an diese Punk-Performance von Nina Hagen.
00:03:03: Weil die Frage ist natürlich, wenn man bei so einer Abschlussprüfung muss man dann immer gewisse Stücke machen, die zu dem passen was man studiert.
00:03:09: also in meinem Bachelorstudium war das klassische Musik obwohl es nicht so drauf steht ist das aber gemeint hier war es jetzt eben zeitgenössische Musik.
00:03:18: Wenn ich aber jetzt so Leuten in meinen privaten Umfeld erzähle Ich studiere zeitgenöstische Musik Dann denken sie immer dass sich so das was man im Radio hört, also dass ich so Bruno Mars singen würde oder sowas.
00:03:30: Und im Studium ist es aber völlig selbstverständlich das das eher nicht gemeint ist.
00:03:33: und da dachte ich irgendwie gerade mit diesen ganzen komischen Stimmtechniken die wir da erlernen im studium, dass eigentlich diese Nina Hagen Performance, die ich erinnere uns gibt sicherlich noch viel mehr Beispiele eigentlich sehr nah an dem dran ist was wir tun obwohl es allgemein unter die Popkultur fällt.
00:03:52: Und so bin ich dann dazu gekommen, irgendwie Mensch da gibt es was.
00:03:54: Da gibt es diesen Song, den würde ich gerne einbauen und er bricht vielleicht etwas den Rahmen in die Form dieser normalen Masterprüfung, die man so hat.
00:04:03: Das heißt wenn ich da direkt einhaken darf der Song um dem sich dreht ist Future is now von Nina Hagen.
00:04:10: Richtig, ja!
00:04:11: Über den werden wir vielleicht später noch ein bisschen genauer sprechen.
00:04:14: was ich jetzt auch sehr interessant fand ist dass du sagst in deinem privaten Umfeld glauben die Leute das du etwas studierst was man im Radio hören kann.
00:04:22: Das ist ja dieser grundsätzliche Unterschied zwischen E-Musik und U-Musik der bei manchen sehr willkommen ist In manchen Kreisen aber auch sehr verpönt ist.
00:04:33: Und wenn ich euch behe, du bist eben auch Sängerin Und wenn ich euch jetzt hier gemeinsam sitzen habe, zeitgenössische Musik ist das für euch eine Challenge?
00:04:42: Oder habt ihr auch dieses Gefühl immer ständig zwischen E-Musik und U-Musik also zwischen ernster Musik und Unterhaltungsmusik trennen?
00:04:50: oder bedeutet gerade Future is now dass man das irgendwie auch in einer gewisser Weise verkriegten kann.
00:04:55: Hi!
00:04:56: Ich bin Mia.
00:04:57: Ich glaube es ist eher eine Entscheidung.
00:05:00: Also eigentlich hat Johannes seinen Masterarbeit über E und U Musik geschrieben, eigentlich.
00:05:05: Und das war unser Ziel auch diese beiden Musikformen irgendwie zusammenzubringen.
00:05:10: Ich finde es schon okay... Ja von wegen Technik ist es ein bisschen challengehaber
00:05:18: als Sängerin.
00:05:20: Aber es geht noch, finde ich.
00:05:21: Ich bin sogar hilfreich!
00:05:24: Dadurch habe ich meine Pussstimme sehr entwickelt durch E-Musik meinig U-Musik,
00:05:30: also durch
00:05:31: Unterhaltungsmusik.
00:05:33: Das würden natürlich die Verfechter der ernsten Musik gar nicht
00:05:36: gerne.
00:05:36: Ganz genau!
00:05:38: Und genau dadurch vielleicht ist es da wo wir uns als Punk auch identifizieren können weil wir denken eigentlich dass die beide kombiniert sein dürften und deswegen haben wir das mit diesem Gramm probiert.
00:05:54: Ich möchte mit einer nächsten Frage, Martin dich vielleicht in unser Gespräch noch ein bisschen mit reinholen.
00:06:00: Und zwar Nina Hagen Ferdinand Carmel Dieter Seefrans.
00:06:06: Wir haben eine Sängerin einen Gitaristen und einen Moderator.
00:06:10: Martin du bist Pianist.
00:06:14: Fangen wir mal mit dir an.
00:06:14: was ist deine Rolle in dieser Performance?
00:06:17: Also wie der Seefranz ist ja der Präsentator eigentlich, dieser Show.
00:06:22: Der probiert das alles so ein bisschen anzumoderieren und in Kontrolle zu halten.
00:06:27: Das ist auch lustig wenn man das dann schaut, dass es im Fernsehen sehr frei ist irgendwie.
00:06:35: Im Fernsehen, dass die Leute auch durcheinander reden.
00:06:39: Manchmal bewegt die Nina sich mal vor der Kamera hin und macht komische Gesichter.
00:06:46: Der Dieter probiert das alles so ein bisschen unter Kontrolle zu haben.
00:06:51: Wenn wir auf der Bühne sind, sind wir nur zu drei und nicht zu zehn oder so?
00:06:56: Wie viele sind das?
00:06:57: Also es ist natürlich ein bisschen einfacher für mich als für Dieter damals.
00:07:02: Ja genau!
00:07:04: Das ist die Präsentator-Hole, die ich da mache und ansonsten bebeite ich dich gut umklarieren und werde auch was singen.
00:07:16: Ich finde das völlig in Ordnung, wenn du uns das jetzt verrätst.
00:07:19: Aber du spielst auch Klavier und singest den Dieter Seefrans.
00:07:23: Dann haben wir noch eine Frau und einen Mann und wir kommen gleich zum überraschenden Bär!
00:07:29: Du singst nicht Nina
00:07:30: Hagen?
00:07:31: Nee ich singe auch nicht Ferdinand aber genau ich spiele Ferdinnand und ich spiele tatsächlich Gitarre
00:07:39: Aber Ferdinand Carmack ist E-Gitarist einer Punkband gewesen.
00:07:43: Genau,
00:07:43: ja
00:07:44: und ich habe...
00:07:47: Stimmt,
00:07:48: stimmt!
00:07:49: Vielleicht
00:07:52: tauschen wir noch mal die Räume
00:07:54: für den Belegen.
00:07:56: Ich hab klassische Gitarre studiert und hatte auch Interesse E-gitarre zu lernen.
00:08:01: Habe ich eine gekauft?
00:08:02: Und deswegen spiele ich auch E-guitarre und ich freue mich sehr eigentlich diese Möglichkeit zu haben das auf die Bühne zu machen, während ich singe und auch wenn ich nicht singe.
00:08:12: Ich kann nur einfach begleiten!
00:08:13: Das macht viel Spaß.
00:08:16: Gut dann kommen wir noch Johannes zu dir.
00:08:20: du spielst dann offensichtlich?
00:08:22: Nina Hagen genau ja Ja das war eben wie ich schon erzählt habe Aufgrund der Ursprungsgeschichte dann das naheliegende Und irgendwie Also bei mir ist es eher so biografisch, bin ich wirklich sehr auf die klassische Musik festgelegt.
00:08:35: Umso witziger das mich das eigentlich sehr antriggert dieses Thema da eben nicht so drauf festgelegt zu sein.
00:08:41: und der Punk ist für mich irgendwie eine schöne Methode was aufzubrechen Und genau wie sie singt irgendwie dass irgendwie dieses rottzige des aufmüpfige sozusagen.
00:08:53: Das ist etwas was ich sehr gerne mag und auch sehr gerne spiele.
00:08:56: Deshalb dachte ich irgendwie die Rolle könnte ich vielleicht ausfälligen.
00:09:00: Und noch zum weiteren Verständnis.
00:09:03: Sonst wäre ja nur ein Musikstück am Ende, es ist nicht nur dieser Club II-Ausschnitt der übrigens sehr lange dauert sondern ihr nehmt gewisse Elemente reduziert diesen Club II Auftritt.
00:09:17: Martijn du hast das vorhin gesagt er besteht aus mehreren
00:09:20: Personen
00:09:22: und ihr beschränkt das auf diese drei eben auf Nina Hagen Ihren, ich weiß nicht ob er damals schon ihr Lebensgefährte war.
00:09:29: Ich weiß auf jeden Fall dass sie später eben ein paar wurden an den Gitaristen.
00:09:33: Da aber auch schon und das ist auch sehr offensichtlich in der Sendung.
00:09:36: Das präsentieren Sie laut.
00:09:40: Stimmt eigentlich jetzt nur du sagst ja sie liegen sich auch so im
00:09:43: Arm.
00:09:45: Ja die waren schon ein paar.
00:09:46: und eben Dieter Seefranz der sich versucht durch diesen Abend zu retten da übrigens nach diesem skandalösen Auftritt tatsächlich gekündigt wurde mit einem Sendungsverbot belegt wurde.
00:09:56: Heute vielleicht kaum vorstellbar, aber damals war es so und das ist nicht so dass ihr diesen ganzen Abend als Text vorspricht sondern Johannes du hast gesagt das war eine Abschlussprüfung.
00:10:07: natürlich geht's in einer Abschluss prüfen darum Qualifikation auch zu zeigen.
00:10:12: das heißt ihr schneidet in diesem konzentrierten Ausschnitt vom Club zwei unterschiedliche Musikstücke hinein.
00:10:21: Ist das ein Geheimnis?
00:10:22: oder dürfen wir wissen, welche Musikstücke das sein werden.
00:10:27: Natürlich!
00:10:28: Also wir haben zum Beispiel... Ich glaube die einzige Aria, die wir haben ist von Ligeti, also Giorgio Ligetis Le Cromacabre ich sing es Gepopos Aria.
00:10:42: Außerdem haben wir dann auch zum Beispiel Musik von Ives,
00:10:46: Charles I, genau
00:10:48: Lida und noch dazu zum Beispiel Billie Eilish und auch Bob Dylan.
00:10:56: Es gibt viel Falt in diese Mischung zu sagen, wir haben auch Arnold Schoenberg.
00:11:01: Musch
00:11:05: ja!
00:11:06: Wir mussten?
00:11:06: Ja, weil wir im Schoemberg Center
00:11:08: spielen.
00:11:09: Aber wir haben Spaß dran.
00:11:12: Man könnte vielleicht zusammenfassend sagen ohne jetzt alle Stücke einzeln aufzuführen... Fokus eigentlich schon in der eher neueren Musik.
00:11:22: Wir spielen ja auch in einer neuen Oper Wien, also es muss ja schon sein.
00:11:26: Also dem eben was man klassischerweise als zeitgenössische Musik versteht und aber auch durchaus älteren Stücken.
00:11:33: wir haben auch sogar das verrat ich vielleicht nicht, aber auch was viele Ältere ist noch dabei Und dann natürlich eben wie du schon sagtest ziemlich viel Hop Und Punkrock und ja,
00:11:44: das ist so
00:11:45: ein bisschen Lied.
00:11:46: Also für jeden vielleicht was dabei hoffentlich.
00:11:50: Jetzt würde mich noch eine sehr praktische Frage interessieren weil ich auch an so Pasticcio-Projekten auch beteiligt war und Projekte die aus so unterschiedlichen Stücken bestehen wie funktioniert das rein technisch?
00:12:03: setzt ihr drei euch da zusammen?
00:12:05: wer hat da so einen dramaturgischen Faden daraus gesponnen?
00:12:09: und wie funktioniert das musikalisch, weil ich muss ja in diesem... Ich nenne euch jetzt mal Performatriot mit euren Stimmen die ihr habt.
00:12:17: Mit den Instrumenten, die auf der Bühne stehen.
00:12:19: wir haben gehört es gibt eine E-Gitarre Es gibt ein Klavier.
00:12:23: Es gibt noch ein Instrument?
00:12:26: Ähm äh äh E-Bass!
00:12:27: Ich spiel Ebass noch mehr.
00:12:29: Also das muss man ja musikalische alles irgendwie unter einen Hut bringen, im Grunde genommen für diese Besetzung.
00:12:34: Jemand muss das billy-eiles
00:12:36: Stück
00:12:37: für eure Besetzung arrangieren.
00:12:38: wie funktioniert das
00:12:39: praktisch?
00:12:41: Diese Beispiel ist eigentlich anders weil ich will das eigentlich alleine machen Begleitung umzingen aber normalerweise eine von uns sinkt Martin spielt oder machen wir eigentlich alle zusammen.
00:12:58: also wir suchen Stücke für diese besetzung.
00:13:01: Also wir müssen eigentlich nur den Vigeti.
00:13:04: Das ist das einzige dieser Aria eben, da spielt Martijn halt aus dem Klavierauszug und dazu versuchen wir noch ein bisschen weil die eben Geräusche so interessant ist noch was dazu zu machen.
00:13:13: ich glaube sonst ist alles mehr oder weniger in Original-Besetzung.
00:13:18: Und auch hier wieder ist der Ausgangspunkt diese zwei Performances die in dem originalen Club II gemacht werden von Nina und Ferdinand.
00:13:25: also mit ihrer Band hat sie jetzt auch mit Schlagzeugen allen möglichen aufgenommen.
00:13:28: dort spielen sie es aber nur mit E-Gitarren Stimme Und genau den Rest haben wir so ausgesucht, dass wir da nicht groß rum arrangieren müssen.
00:13:36: Weil ihr vorhin die Punkmusik angesprochen habt – ich habe mir natürlich auch Teile dieser Club-Zweidoku nochmals angeschaut und hingehört – und Dieter Seefranz fragt Nina Hagen hat die Rockmusik an Kraft verloren?
00:13:54: Ich würde euch jetzt fast fünf Jahrzehnte später dasselbe fragen!
00:13:59: Hat die Rockmusik an Kraft verloren?
00:14:01: oder vielleicht hat die Musik überhaupt an Kraft verloren?
00:14:04: Ja,
00:14:06: interessante
00:14:06: Frage auf jeden Fall.
00:14:08: Würde
00:14:08: ich nicht sagen unbedingt per se!
00:14:11: Natürlich gab es früher schon diese Icone so wie Bob Dylan und dann auch Nina Hagen mit so eine laute ausgesprochene Gesellschaftkritische Stimme Und deswegen guckt man gerne darauf zurück und sagt, da durften die Songwriter noch mal wirklich Kritik zu äußern.
00:14:33: Was haben wir heutzutage Ed Sheeran?
00:14:37: Also ich kenne mich auch mega gut aus mit Ed Shearan aber es gibt heutzuthage auf jeden Fall ein anderer Musikverstehen irgendwie mehr diese... diese Gesellschaftskritik vielleicht auch.
00:14:52: Ich denke an der amerikanischen Rap-Szene, wo so viel politische Musik
00:15:00: gemacht
00:15:00: hat, weil ich als Bank und eine große Kraft von der Hörmusik schon etwas politisches vielleicht auch oder etwas aufordern muss.
00:15:14: Eine Ölzufriedenheit, so einer Energie irgendwie die was.
00:15:20: Mathein, du hast mir jetzt gerade ein fatales Stichwort geliefert.
00:15:25: Das tut mir sehr leid und zwar das Stichwort politische Musik.
00:15:34: Das darf man natürlich sagen aber das ist etwas worüber die Wissenschaft sich auch nicht einig ist und worüber sich viele Leute streiten ob Musik per se politisch sein kann.
00:15:44: Denkt man bei Punkmusik ist es politische Musik.
00:15:46: Die Frage ist, glaubst du es gibt oder glaubt ihr alle drei?
00:15:50: Gibt es politisch Musik oder gibt es nur Musik in politischen Kontexten?
00:15:55: Das ist in der Wissenschaft die große Diskrepanz im Moment.
00:15:59: Ja natürlich!
00:16:01: Naja
00:16:02: ich finde also mal... Es ist immer so tricky, man muss immer sehr aufpassen weil ich finde wenn man Musik zu auffordent wird Ich bin jetzt mal ganz offen, aber so Luigi Nono oder so.
00:16:11: Manchmal ist es so, so... Wenn der da so ganz konkret wird, dann finde ich das persönlich einfach sehr cringe und finde ich dass das irgendwie einfach die Qualität einfach ablenkt von der Musik selber.
00:16:27: Aber ich find' das wenn Bottele irgendwie so singt über Blowing in Wind oder sowas ja auch ein sehr politischer Text ist.
00:16:33: Das finde ich eigentlich funktioniert schon sehr gut.
00:16:45: auch
00:16:47: Ich würde mich dem großen Ganzen anschließen, denn es wird immer dann gefährlich wenn es zu beabsichtigt so politisch ist.
00:16:56: Also ich glaube Dinge funktionieren oft sehr gut also wir auch politische Ereignisse oder geschichtlich Eregnisse passieren, ohne dass es unbedingt beabsichtigt ist.
00:17:05: Also einfach weil man irgendetwas tut im besten Fall aus sich selbst heraus oder in einer gewissen Situation wirkt das auf einmal politisch.
00:17:12: also zum Beispiel eben dieser Club II.
00:17:14: hier ist an sich also wirklich lohnswärtsig das Ding mal anzugucken weil das von vornherein ist das Punk.
00:17:21: Also Punk ist rebellieren gegen Formen, die etabliert sind.
00:17:25: Dieser Club zwei ist eine Form und der funktioniert – es ist ein einziges Chaos, wer funktioniert gar nicht!
00:17:29: Weil die beiden da sind aber auch die anderen Teilnehmer immer wieder brikotieren.
00:17:33: das ist irgendwie an uns für sich politisch und es kann sein dass jetzt der einen oder andere da drin gesessen hat vielleicht dieser Christian Idehinze den manche vielleicht kennen der Schriftsteller der das mehr oder weniger bewusst tut.
00:17:44: Aber es kann auch sein, dass andere das ganz unbewusst einfach produzieren.
00:17:48: Und ich glaube mit Musik selber ist es ziemlich ähnlich.
00:17:50: also es hängt sehr genau wie Martin sagt vom Medium ab aber auch vom Ort von der Zeit.
00:17:55: und am schönsten ist es immer wenn es dann einfach die Dinge so automatisch irgendwie zusammenlaufen und irgendeine gewisse Aussage oder eine gewisse Kraft entwickeln Die nicht unbedingt so von vornherein beabsichtigt war wie ein Komponist der sich hinsetzt.
00:18:07: er versucht jetzt politisch zu sein Wie das ja viele versucht haben und eben oft dann ganz genau bisschen cringe wird.
00:18:14: Ja, ich finde es auch interessant wie Nina Hagen sich präsentiert und was für Themen sie auch in diese Gespräch mitbringt.
00:18:21: Sie bringt wirklich ein bisschen Tabu-Themen und spricht sehr offen darüber.
00:18:26: Ich glaube also seine Figur ist selbst sehr politisch aber auch in seiner Musik zum Beispiel im Futures Now gibt's den Textes auch sehr spannend Und ich habe auch gelesen Ferdinand hat auch Lieder selber geschrieben.
00:18:40: eine von denen heißt Smack Jack und das ist über Drogen nehmen.
00:18:44: Also ich glaube es ist auf eine gewisse Weise man kann nicht vergessen, sein Inhalt ist wichtig also politisch gesehen.
00:18:52: Das bringt mich zu einer anderen Sache.
00:18:54: Nina Hagen wird auch in diesem Club zwei ganz Nanteschalons gefragt wozu brauchst du überhaupt deine Frauenbewegung?
00:19:01: Ja
00:19:01: weil wir sind ja neunzehntneunundsiebzig und es gab die achtensechzige Bewegungen wo wir wissen wofür sie standen.
00:19:08: diese achten sechzigen Bewegung wird ganz häufig gerade so in den letzten Zehn, fünfzehn Jahre... Wie soll ich sagen?
00:19:16: Diese achtundsechzige Bewegung geht weg davon dass das auch eine Frauenbewegung war.
00:19:20: Weil in Wahrheit war auch das eine Bewegung der Männer und die Frauenbewege kam erst später.
00:19:25: Und es geht wie du gesagt hast Bär einfach immer alt gegen Neu.
00:19:30: Da hast Du auch gesagt Johannes Jetzt behandelt ihr ja aber auch was Altes Ist das auch wieder alt gegen neu oder
00:19:37: wie?
00:19:39: Ich bin noch ein bisschen auf der Suche Warum mir das kontextualisiert Sind wir am gleichen Punkt wie neunzehnhundertneunundsiebzig?
00:19:46: Also das heißt, muss ich mich Stereotyp immer noch fragen.
00:19:49: Warum brauchen wir eine Frauenbewegung zum Beispiel?
00:19:53: Naja schon!
00:19:54: Das würde ich schon ganz eindeutig so sehen.
00:19:56: also weil... Das ist ja am Anfang.
00:19:58: da gibt es diesen jungen der vielleicht gerade zuhört, den gibt es nämlich noch.
00:20:02: Wolfgang Radl der damals Schüler war und einer FPÖ-nahe stehenden Organisation angehörte und der eben direkt so anfangen gefragt wie warum er das macht und so und dann darauf hinweist dass er eben findet man sollte den alten mehr zuhören weil die mehr Lebenserfahrung hätten usw.
00:20:18: Und Nina Hagen entgegen dem.
00:20:20: aber wenn ich jetzt immer noch auf meine Mutter gehört hätte, hätte ich bis heute noch keinen Orgasmus.
00:20:25: Weil sie mir gesagt hat ja das kommt schon von ganz alleine wenn du einen mal richtig liebst Wie kriege ich den eigentlich?
00:20:32: Und ich glaube, das ist nicht unbedingt eine Sache die... diese sozusagen, dieses etwas hinterfragen dessen was die Alten schon mitbringt.
00:20:38: Das anzuschauen und da auf jeden Fall Dinge mitzunehmen das tun wir auch durch die Musik und so.
00:20:43: Das ist ganz wunderbar.
00:20:45: aber man darf dann nicht stehen bleiben und bis heute genau so gültig werden.
00:20:48: Man darf nie natürlich die Kultur die einen einfach so umgibt als selbstverständlich hinnehmen und irgendwie denken ja dass sei sowieso immer so und es ist auch gut so wie's ist sondern man dieses rebellische ist per se etwas was wichtig ist für Gesellschaften glaube ich damit weil es nur so weitergehen sich, sogar aus einer konservativen Sicht, sich erhalten kann überhaupt.
00:21:09: Ich glaube es hat auch mit dem Opa zu tun glaub ich.
00:21:13: also für mich persönlich ist es wichtig als Künstlerin irgendwas ein bisschen gegen diese sehr sehr groß und schwere Traditionen zu machen.
00:21:23: Ich glaub sind ja eine andere Aspekt
00:21:25: davon Was ist denn für euch heute neu?
00:21:29: Oh gute Frage!
00:21:30: Danke.
00:21:34: Was ist neu?
00:21:35: Ist das jetzt Musik bezogen, ja.
00:21:37: Ja so auf die ... musikalisch...ja natürlich also das ist glaube ich relativ einfach was neue Musik ist egal ob im E oder U-Musikbereich.
00:21:49: aber wenn man sowas wie den Prank nimmt gibt es gerade etwas Neues.
00:21:53: Ich bin da schon zu alt, ich bin da draußen.
00:21:56: Ich finde gerade irgendwie in der neuen Musik auch interessant dass Neu ist oft auch so eine Art Gegenbewegung.
00:22:04: Es gibt so Tradition, es gibt so
00:22:07: Klassizismus
00:22:08: oder so und dann neu ist noch Romantik, wo man die Musikonomisch freier wird.
00:22:13: So eine Gegenbewägung.
00:22:15: Aber ich habe das geschehene neue Musik in den Sechzig- oder Südzeigerjahren hat, man diese Serialismus und alles muss atonal und dann kann wir gegen Bewegungen.
00:22:25: Jetzt darf alles wieder tonal sein!
00:22:28: Aber ich habe das Gefühl, dass im Moment vieles erlaubt ist.
00:22:33: Deswegen auch so was Neues und Spannendes rechtsschwierig zu machen ist.
00:22:40: Daher möchte ich noch zufügen, dass... Ich war vorhin bei Deinweich in der Philharmonie Und ich hab eine Grammar-Gadres- und Digitipo-Haus wie auch nachher gemacht.
00:22:48: Habe ich zum ersten Mal gehört live und auch komplett.
00:22:51: Das Stück ist ja schon ein bisschen älter aus dem Siebzig, glaube ich Aber ich habe das noch nie gehört.
00:22:57: Also für mich war es neu, also das Stück war nicht neu aber für mich mal ist neu.
00:23:01: Ich fand das aber mega erfrischend trotz der Stücke.
00:23:05: Also ich
00:23:05: kann mir auch vorstellen dass vielleicht wenn Leute... Oh!
00:23:08: Noch eine Sache möchte ich gerne sagen.
00:23:10: Wie letztes Jahr hab' ich von Chopin des Zweites Schätzer gespürt und ich hab' das über mein Mittelwohner vorgespielt, wunderbares Stück Und äh..ehm....ich hab's auch sehr gut gespült.
00:23:23: Auf jeden Fall Der meinte dann danach zu mir so, wow!
00:23:27: Der hätte noch nie sowas gehört.
00:23:29: Also das ist ein Stück, dass es mehr als zweihundfünfzig Jahre alt und für ihn war das neu.
00:23:34: Also vielleicht ist irgendwie generalisch eine komplexe Frage was ist neu sozusagen?
00:23:40: Ja
00:23:40: ich fragt das eigentlich ganz ergebnisoffen und zwar gar nicht so sehr, dass ihr mir jetzt einen Punkt nennt da ist die neue Jugendkultur Da ist der Anker, wo sich die jungen Leute festhalten.
00:23:51: Sondern was hier für Strömungen?
00:23:52: Wir sind ja auch alle immer in unseren Bubbles.
00:23:56: Wir hier am Tisch und am Telefon ein bisschen in unserer Künstlerbubble natürlich auch drin.
00:24:00: Natürlich sehen wir auch, was passiert in der U-Bahn und was passiert irgendwo in irgendwelchen Clubs.
00:24:05: Es ist ja nicht so dass wir alle Chopin hören spielend und Goethe lesend irgendwie zu Hause rumhängen.
00:24:10: Aber die Frage ist, was nehmt ihr wahr?
00:24:14: Was es an Jugendkultur gibt, stark auflehnt gegen das alte, wie es zum Beispiel der Punk in den siebziger Jahren getan
00:24:23: hat?
00:24:25: Also ich bin wirklich nicht so bewandert gerade was heutige Jugendkultur angeht.
00:24:30: Ich würde aber sagen wenn ich jetzt so in die siebzigere Jahre schaue dann war es da ja wirklich regelrecht Mainstream Links zu sein und Anti und das Alte nicht anzunehmen zumindest unter den jungen Leuten eben.
00:24:45: Heute würde ich das einfach nicht mehr so als Mainstream bezeichnen.
00:24:49: Das heißt, man hat es vielleicht etwas weniger.
00:24:52: Ich bin mir aber sicher, dass es bestimmt extrem viele ganz spannende junge Leute gibt und ganz spannenden Richtungen von Musik, Kunst, allmöglichen die etwas anbieten was sich gegen eben auf eine Weise neu ist.
00:25:07: versucht zu sein oder was wir mit Neu hier eigentlich auch meinen ist ja nicht nur wie Manthain auch schon sagte kritisch, also eben von außen kommend und das ich glaube dass gibt es immer.
00:25:18: Es ist halt auf eine Weise wenn wir jetzt in die siebziger Jahre gucken oder diese Sendung ins angucken dann wirkt das auf uns viel exotischer als für Leute die damals in dieser Bewegung selber waren ne?
00:25:29: Also die fanden das vielleicht dann wahrscheinlich gut für uns.
00:25:31: heute ist das so okay was ok so so ist das und genauso gibt es heute auch wieder das andersrum sozusagen.
00:25:38: Ja ich glaube so starkere Bewegungen So wie in die Siebstige gibt es vielleicht heute nicht.
00:25:46: Also
00:25:47: ich glaube nämlich, dass es vielleicht diese Bewegungen gibt aber dadurch das es viele kleinere Sachen sind entwickelt es nicht so diesen Zug.
00:25:56: Genau es gibt nicht diese Welle von dieser Stärke.
00:25:59: Ja wir kennen zum Beispieler wie Bussy Riot.
00:26:02: Das ist schon zehn Jahre
00:26:05: her und
00:26:07: genau wir kennen so Beispiele die ab und zu kommen.
00:26:10: Ich habe auch immer das Gefühl, es gibt so kleinere Sachen mit denen man dann in Berührung kommt.
00:26:16: Vor einiger Zeit bin ich mit dem Phänomen der Post-Internetart in Berühung gekommen und habe sehr lange recherchiert.
00:26:26: Das war eine Strömung.
00:26:27: Das gab's zu zwei Jahren hauptsächlich in Moskau zum Beispiel.
00:26:31: Und ich finde es interessant dass es solche Sachen durchaus gibt aber sie sich nie zu einem Konglomerat zusammen... finden wie in den siebziger Jahren.
00:26:42: Ich glaube aber, dass es zum Beispiel für Leute die klassische Musik studiert haben ich glaube es gibt eine Tendenz also nicht alle wollen das aber es gibt schon eine größere Tendenze um Interdisziplinarität zu kommen und das ist ein Wunsch die ich sehe und ich glaube das ist eigentlich was wir von etwas Neues was wir hier versuchen dass unsere Grenzen als Also, ich bin nicht mehr nur eine Sängerin.
00:27:10: Meine Grenzen von Sängern sind weg!
00:27:12: Ich bin eher ein Performer.
00:27:16: Aber da stößt jetzt noch mal was an und wenn wir über dieses Thema weiter reden, reden wir dann noch zwei
00:27:21: Stunden wahrscheinlich.
00:27:23: Die Kunst generell und vor allem... die Musik, das Konzert und die Oper sind ja eine der musealsten Kunstformen überhaupt.
00:27:34: Während kein Museum ohne zeitgenössisches Auskommt und die Literatur natürlich nicht ohne Zeitgenöussisches auskommt scheint ja die klassische Musik gerade sehr auf dieser Bewahrerschiene zu sein.
00:27:47: Da gibt es unterschiedliche Theorien warum das dazu gekommen ist.
00:27:51: Ihr merkt bei euren ehemaligen Studienkolleginnen und Kollegen schon dass man eigentlich aus diesem Korsett des Museums ausbrechen kann und somit wäre die neue Oper Wien genau, die richtige Institution für die Zukunft.
00:28:06: Auf jeden Fall!
00:28:07: Also ich finde es sehr bemerkenswert das Sie zum Beispiel also wir haben hier allen Freiraum gekriegt zu tun was wir möchten.
00:28:17: Wir hatten keine großen Vorgaben, welche Stücke wir zu tun haben.
00:28:20: Und allein das ist ja schon was!
00:28:22: Also damit kann man ja etwas anfangen und zwar alles Mögliche.
00:28:25: Niemand zensiert uns in irgendeiner Weise.
00:28:28: Allein diese Form bietet schon enorm viel Potenzial für sowas.
00:28:33: Kurz bevor Nina Hagen in dieser Club-Zweisendung Future Is Now singt
00:28:41: fragt
00:28:41: Dieter Seefranz Ist schon Zukunft?
00:28:44: Ich habe geglaubt es ist Gegenwart.
00:28:47: Und dann hört man ganz, ganz leise von Ferdinand Carmel, Future Never Happens.
00:28:55: Das Stück heißt aber Future Is Now und eigentlich ist das ein Gegensatz!
00:29:01: Ich weiß nicht ob wir ihn auflösen können... Aber ich wollte euch mit diesem Gegensat in sich konfrontieren.
00:29:10: Es ist immer alles gleichzeitig, also es ist immer gleichzeitig Vergangenheit gegen Bad und Zukunft.
00:29:19: Und ich glaube diese Show von damals war eine Einladung einfach mal so diese Denkmuster dieser Erwartungen die wir alle haben davon wie einen Club II abzulaufen hat oder sowas radikal zu hinterfragen.
00:29:30: Ich weiß gar nicht wie viel der Ferdinand sich in dem Moment dabei gedacht hat.
00:29:34: Der geht in der ganzen Sendung eigentlich eher so ein bisschen darauf, dass er den Moderator, den armen Martin gerne etwas verunsichert.
00:29:43: Von daher... Also es geht da vor allem viel darum einfach etwas aufzulösen was stark scheint wahrscheinlich.
00:29:50: Oder vielleicht meint er auch das man jetzt im Gegenwart entscheidet?
00:29:56: Wir können jetzt entscheiden, was in Zukunft vorkommt.
00:29:59: Wie gesagt meinte er das?
00:30:00: Keine
00:30:00: Ahnung.
00:30:01: Lustig!
00:30:01: Ich habe nämlich auch das Gefühl, dass man es andersrum lesen kann... ...dass man nichts, was man in der Gegenwart entscheidet,... ...kann man sich sicher sein wie die Zukunft dann ist.
00:30:11: Ja,
00:30:11: auch.
00:30:12: So etwas pessimistisches,
00:30:19: ne?!
00:30:28: Dann danke ich euch für eure Zeit.
00:30:30: Johannes, Bea und Martin!
00:30:32: Ich wünsche euch Teutäuteu für den neunzwanzigsten September im Arnold-Schönenberg-Center und die weiteren Vorstellungen.
00:30:41: Danke, dass ihr mich und unser Publikum teilhaben lassen an einer sehr differenzierten Arbeit.
00:30:50: Darüber wie man Punk- und Popkultur in die Gegenwart und aus der Gegenwart wieder in die Vergangenheit zurückdenken kann.
00:30:58: Tickets und Infos liebes Publikums finden Sie natürlich auf unserer Website.
00:31:02: Auf Wiederhören bei den Klangreisen dem Podcast der neuen Oper Wien!
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