Geschichte - Cast

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00:00:05: Neue Oper Wien.

00:00:07: Willkommen bei Klangreisen, den Podcast der neuen Oper Wienen!

00:00:10: Der Sommer verabschiedet sich langsam die Temperaturen sinken und die Tage fühlen sich nicht mehr so an als hätte jemand die Scheinwerfe auf der Opernbühne auf Dauerbetrieb gestellt.

00:00:18: Während andere also die letzten Sonnenstrahlen zählen, zählten wir bereits die Proben-Tage bis zur nächsten Premiere.

00:00:24: Bei uns haben nämlich die Proven zu Ostgastrasnois Akapellaoperette Geschichte begonnen.

00:00:29: Die Premiere findet am sechzehnten September im Vortragssaal des Magstadt.

00:00:33: Und wie zu allem unseren Produktionen wollen wir sie auch diesmal umfassend informieren, weil wir aber wissen dass Sie nicht nur Hintergrundinformationen zur Entstehung und zum Konzept eines Werkes interessieren

00:00:43: sondern

00:00:43: auch die Menschen, die auf der Bühne stehen habe ich mir für diese Folge den gesamten Sänger-Cast eingeladen.

00:00:49: Das bedeutet ich sitze hier auf unserer Probebühne.

00:00:52: deshalb klingt es vielleicht ein bisschen hallig gemeinsam mit Ekaterina Prozenko Paulson Supran Johannes Wieners Countertenor Valentino Blasdina Tenor Felix Häuser-Bariton und Harald Hieronymus Hain Bassbariton.

00:01:06: Und ja, wenn Sie jemanden vermissen unsere Metzelsopranistin Erin Rose Kelly ist leider krank und kann heute an unserem Gespräch nicht teilnehmen.

00:01:13: auf diesem Wege wünschen wir ihr gute Besserung!

00:01:16: Schön dass Ihr alle nach einem intensiven Probentag die Zeit gefunden habt mit mir über Eure Arbeit über Geschichte und über die besondere Herausforderungen einer Akapella Operette zu sprechen.

00:01:26: Bevor wir über das Stück reden, würde ich euch bitten, euch kurz selbst vorzustellen, wer ihr seid.

00:01:31: Welche Rolle oder wenn ich das schon vorwegnehmen darf welche Rollen ihr singt in Geschichte und vielleicht in einem Satz was macht euch an dieser Produktion besonders neugierig?

00:01:42: Vielleicht fangen wir mit dir an Ekaterina du bist die einzige Sängerin heute am Tisch.

00:01:48: Hallo

00:01:49: mein Name ist Ekaterine Prozenko Paulson und ich darf die Rolle der

00:01:54: Mut

00:01:55: und die Rolle der Kaiserin spielen singen.

00:01:59: Ja, was mir am besten Spaß macht?

00:02:03: Was dich neugierig, was du Lust hast bei Geschichte!

00:02:06: Ich singe zum ersten Mal eine Akapella Operetta Opa, also einfach zum ersten mal in meinem Leben ein Akapellestück.

00:02:16: Okay, wir sind neugirig.

00:02:18: Bitte Johannes

00:02:20: Ich bin Johannes Wieners und ich übernehme die Rolle des Witold, der zwischendurch auch als geheimer Botschafter von Nikolaus II.

00:02:28: agiert.

00:02:29: Dieses Stück ist eine besondere Herausforderung wegen des Akapeller – du hast es schon angesprochen!

00:02:34: Und das ist aber etwas was eine ganz krasse Art von Freiheit gibt vor allem in meiner Rolle weil ich sehr viel alleine ohne Begleitung singen darf.

00:02:42: Das ist eine Situation, die ich sonst selten so habe.

00:02:45: Danke Felix.

00:02:47: Hallo, ich bin Felix Häuser.

00:02:48: Ich singe die Rollenlähnen des Janosch,

00:02:52: des

00:02:53: älteren Bruders von Witold sowie Pless einen aus dem Kaiserreich stammenden Politiker und was mich sehr freut ist dass sich endlich wieder mit vielen Studienkolleginnen zusammen auf der Bühne stehen kann und wir gemeinsam dieses Stück machen.

00:03:10: das macht die Proben für uns sehr spaßig, weil er anderen vielleicht ein bisschen anstrengend.

00:03:18: Hallo an alle, ich bin Valentino Blasina.

00:03:20: Ich bin Tenor und zuerst bin ich der Bruder von Wittoldt.

00:03:27: Danach werde ich noch die Rolle des Eulenburgs spielen.

00:03:30: Es ist nicht das erste Mal dass ich eine Akapella-Stück singe.

00:03:34: Ich komme eher aus Grazien bei uns hier.

00:03:36: Hier ist die Akapellagesang irgendwie übrig aber es macht wahnsinnig viel Spaß mit so einem jungen Kast gemeinsam zu arbeiten.

00:03:45: Sachen empfinden Es ist einfach toll.

00:03:49: Ja, ich bin...

00:04:02: Ich bin

00:04:02: der, da das Mikrofon etwas weiter weghalten

00:04:06: soll!

00:04:11: Ich bin Harald Theronimo Sein und ich habe die große Freude den Vater den Zahnikula aus dem zweiten und Kaiser Wilhelm II.

00:04:22: zu verkörpern, und besonders freue ich mich auf diese Produktion da ich zum ersten Mal auch erlebe eine Oper in einem Museum spielen zu dürfen.

00:04:33: und ich freue mich sehr in einem ungewöhnlichen Raum Musiktheater machen zu können.

00:04:41: Das ist ein gutes Stichwort, ungewöhnlicher Raum.

00:04:44: Das notieren wir uns vielleicht noch mal für später aber ihr habt ja schon angeschnitten Akapella-Operette.

00:04:50: Fokussieren wie uns vielleicht erst auf Akappella das bedeutet keine Geigen, keine Bläser, keine Pauken kein Orchester graben.

00:04:58: alles was auf der Bühne zu hören ist entsteht Aus euch und durch euch.

00:05:03: jede Note, Einsatz, harmonische Verschiebung muss von euch gemeinsam getragen werden.

00:05:09: Wobei Johannes Du hast vorhin erwähnt dass du dich könnte man ja so ein bisschen darüber sprechen vielleicht nachher noch als Hauptrolle sehen.

00:05:17: aber alles entsteht aus euch.

00:05:19: es gibt keine Begleitung in dem Sinne.

00:05:23: das ist eine sehr unmittelbare Form des Musiktheaters wie ich finde sehr außergewöhnlich.

00:05:28: mir fallen persönlich Nicht viele Stücke ein, die so funktionieren.

00:05:33: Wirkt sich das auf eure Probenarbeit aus?

00:05:36: Oder wenn ihr ans Lernen denkt lernt man einen Akapellerstück anders als wenn man weiß da gibt es ein Sicherheitsnetz.

00:05:46: Wenn ich das jetzt mal unter Anführungsstrichen sagen darf Wie geht dir damit um?

00:05:50: ist eine besondere Herausforderung für euch.

00:05:52: Also ich würde schon sagen, in diesem Fall was super passt ist das Repetitio Matter Studio rum.

00:06:00: Weil je mehr wir das einfach wiederholen, desto schneller und leichter wird es auswendig sowie auch richtig.

00:06:09: Das ist eigentlich der einzige was zu diesem Stück also von der technischer Seite man sagen könnte einfach wiederholen, wiederholern und das macht ja auch noch mehr Spaß.

00:06:20: Weil wenn wir als Szene so viel mal wiederholten können wir die Kleinigkeiten rausbringen und es macht noch mehr Spass.

00:06:28: Woher nehmt ihr denn einen Ton zum Beispiel?

00:06:30: Ja da hilft es natürlich dass es nicht ganz a cappella ist.

00:06:34: Es gibt immer mal wieder schon hineinkomponierte Audio Tracks.

00:06:40: Das ist dann vielleicht nur eine Explosion oder ein krähender Hahn.

00:06:44: Von denen kann man sich dann aber so Töne abnehmen.

00:06:48: Das hilft auf jeden Fall!

00:06:50: Ich weiß nicht, wie es euch geht...

00:06:54: Manchmal nimmt man sie ja auch von den Kollegen und das ist etwas was du gesagt hast.

00:07:02: Es ist insofern schon anspruchsvoller denn man möchte ja auch nett sein zu den Kollegen.

00:07:05: Und es gibt so eine Stelle wo ich zum Beispiel dir Felix einen Ton gebe Und wenn ich da eben so ein bisschen zu sehr nach unten oder oben absacke, dann ist das ganze nächste Stück.

00:07:15: Das von dir mit dem Dronen der Familie begibt wurde beginnt höher- oder tiefer.

00:07:20: also man hat sozusagen... Also man ist sehr viel der Aufmerksamkeit bewegt sich dahin, einfach eben die Intonation zu halten.

00:07:28: was wenn man eine große Begleitung also ein großes Orchester oder Instrument hat.

00:07:32: Einfach weniger.

00:07:33: das ist was da relevant ist.

00:07:35: Da muss man sauber singen aber man hört es mehr oder weniger.

00:07:38: hier muss man wirklich sehen okay immer stimmt das noch irgendwie und also viel mehr Aufmerksamkeit geht dahin.

00:07:44: Aber dafür muss man einfach gemeinsam das Proben immer einsingen, aussingen und dass es genau was anders macht.

00:07:56: Und dann kommt diese Masse-Memory noch dazu dabei?

00:07:59: Wenn wir so viel mal wiederholen und unsere Kehle gewöhnt sich an die Internation sozusagen, dann kommt plötzlich auch die richtige Internation draußen ohne nachzudenken.

00:08:11: Und ein Unterschied vielleicht zur klassischen rollen ein Studierungen, wo man mit Orchester oder Ähnliches singt ist dass man nicht nur sich Gedanken über die Rolle in der Geschichte Gedanken machen muss sondern auch was ist meine Rolle in diesem Ensemble Stück.

00:08:31: Zwar ist diese Oper ohne Orchester aber die Stimmen übernehmen dann die Rollen der klassischen Orchesterstimmen mal müssen Trompeten imitiert werden sehr oft oder andere Instrumente meine Stimme, die Stimme dir den Beat gibt oder ähnliche Dinge.

00:08:51: Die dann auch sehr wichtig sind dass man sich da Gedanken macht um den Kolleginnen zu helfen und da muss man dann auch flexibel sein.

00:09:00: was ich zum Beispiel ganz...und das finde ich sehr spannend im Vergleich zu anderer gerade anderer zeitgenössischer Musik wo ich einen ganz großen Mehrwert in der Akapella Operette, die wir machen sehe weil wir eben auch keinen Dirigat haben.

00:09:16: Wir machen das alles gemeinsam ist dass man ganz bei sich und ganz im Ensembles gerade bei komplexen zeitgenössischen Stücken mit vielen Taktwechseln ist doch immer eine gewisse Aufmerksamkeit auch im Außen in Kontakt mit dem Dirigentin Und dass wir hier ganze Zeit als Ensemble agieren und gemeinschaftlich fühlen müssen unseren Weg finden müssen.

00:09:44: Das ist etwas ganz Besonderes, was glaube ich auch eine ganz tolle Energie gibt.

00:09:49: Danke dass du das aufgegriffen hast Felix weil es wäre natürlich auch noch ne Frage gewesen wie ihr durch diesen Abend kommt?

00:09:54: Ihr organisiert euch sozusagen selbst auf der Bühne!

00:09:58: Ihr bekommt keine Einsätze also es gibt kein Dirigat.

00:10:02: jetzt kommt vielleicht noch ein bisschen der Raum dazu.

00:10:05: Harald, du hast gesagt Opa im Museum der Vortragssaal in Mag ist natürlich eine spezielle Location und ohne den Podcast jetzt mit Regie- und Bühnenbild viel vorweg zu nehmen.

00:10:17: Aber ihr habt ja auch eine dreihundertsechzig Gradbühne!

00:10:21: Ist das auch was Besonderes oder ist es eher mittlerweile Alltag für euch?

00:10:26: Es gibt ja viele unterschiedliche Bühnsituationen und das Guckkastentheater hat sich ja auch ein bisschen ausgespielt.

00:10:34: Erlebt ihr das oft, ist das schwierig?

00:10:37: Also ich denke es ist gerade bei zeitmusischen Musiktheater oder auch bei klassischen Opern die neue Formate ausprobieren kommt es schon sehr oft vor dass das Publikum mal vorein ist.

00:10:50: Mal hinter einem auf einmal ganz nah aber das ist auch immer wieder anders was aber ein wiederum mehr Freiheit gibt zum Experimentieren und einen Sinn gibt für Offenheit, weil man immer im Hinterkopf haben muss.

00:11:12: Ich möchte jetzt zu den Leuten senden aber nicht nur die vor mir sind sondern auch zu denen die hinter mir sind und da muss man dann Wege finden so dass alle gleichberechtigt werden in Publikum ich denke das ist auf jeden Fall Perfomant, Performerinnen.

00:11:29: Immer eine tolle Erfahrung aber auch für das Publikum selber.

00:11:34: Auch gerade in diesen Formaten kommt das Publikum den DarstellerInnen so nah wie nie, weil es auch keinen Orchestergraben gibt die Schauspielfläche abtrennt von der Zuschauerfläche und gerade hier können vielleicht auch die Zuschauer Fläche Teil Schauspielfläche werden.

00:11:58: Wir wollen nicht zu viel verraten, dass unser Liebespublikum ja durchaus aufgefordert wird Dinge zu tun aber das verratten wir jetzt noch nicht was da sein wird.

00:12:07: Aber

00:12:07: auf jeden Fall jeder wird einen Blick kriegen mindestens.

00:12:10: Jeden wird ein perfekter Ort.

00:12:12: Ein perfekte Ort!

00:12:13: Wir freuen uns.

00:12:15: Wir haben jetzt über die Aka Pellersache gesprochen, die natürlich sehr herausfordernd ist.

00:12:19: und jetzt möchte ich noch über eine andere Spezifikation sprechen und zwar über die Spezifikationsoperette Weil Operette ist ja Fluch und Segen gleichzeitig.

00:12:31: Operette hat einen wahnsinnig schlechten Ruf.

00:12:35: ganz oft, aus Gastrasneu hat sich Witold Gomerowicz's Drama Operetka von sixundsechzig zur Basis des Librettos genommen und Gomerowitz selbst hat die Operette als eine der perfektesten Theaterformen überhaupt bezeichnet Und Oskar Straßneu hat das natürlich im Geschichte übernommen und hat dieses Stück selber Operette genannt.

00:13:02: Weil ich vorhin schon das Ensemble angesprochen habe, Operetten sind meistens Ensemblestücke und jetzt weiß ich von euch allen dass ihr nicht nur in zeitgenössischen Genre sondern auch in unterschiedlichen Genres unterwegs seid.

00:13:14: wie erlebt ihr dieses Stück als Operette?

00:13:18: Ist es für euch eine Operette oder ist das so, dass man die Noten aufschlägt und sieht?

00:13:23: Ah!

00:13:23: Das ist eine Operettich.

00:13:24: Was macht für euch dieses operettige Abseits von Champagnerlaune, Walzerklängen, Wienerschmäh?

00:13:32: Was macht Für Euch das Stück operettig?

00:13:36: Michharin hat mehr des Stückens einer französische Operette anstatt einer österreichischen Operette genau wegen diesen Ein bisschen offensichtlicher politischer Konnotationen, sowie auch ein bisschen an die Groteske.

00:13:51: Bei der Wiener Operette ist ja klar ein bisschen funktioniert.

00:13:54: okay das Politisierung des Stücks ist ja generellerweise in einer Operette ziemlich stark aber in der französischen Operette finde ich es ein bisschen dass man ein bisschen mehr so kratzen sollte bis wenn man kommt zu solchen Informationen und genau bei diesem Stück sehe ich mich genau sowas.

00:14:13: Diese acapella Operette ist für mich natürlich ein Operett, weil es einfach super lustig ist.

00:14:17: Dadurch aber in einem Humor der Absurdität was auch durch die acapeller Form kommt, weil in der normalen Operette gibt es meistens ein instrumentales Vorspiel und dann singen die Personen auf einmal Texte auf der Bühne.

00:14:38: hier gibt es entweder einen Vorspiel durch merkwürdigen Lauten, oder man wird sofort in eine Szene geworfen.

00:14:52: Was ist so voller überraschender Momente und teilweise slapstickartige Situationen kommt?

00:15:01: Ob die Operette die perfekte Form ist weiß ich nicht was es perfekt auch gerade im Musiker wenn's ne perfekke Form gibt warum dann würde jeder Komponistin natürlich immer nur die perfekte vormachen, aber ich denke das Interessante kommt dadurch dass Formen aufgebrochen werden und dann auf einmal was Unerwartetes passiert.

00:15:25: Was dann interessant wird und neugierig macht.

00:15:27: und das macht gerade den Reiz glaube ich bei dieser zeitgenössischen Operette aus wo auch ganz wenig Dreiviertetakt vorkommen.

00:15:40: Nicht so viele Weizer, also da gibt es so viele Taktwechsel.

00:15:43: zwar gibt ganz viele Ganz klar er populäre Stile oder ähnliches aber Es ist auf jeden Fall was anderes.

00:15:56: Und?

00:15:58: Es wird getanzt Und dass wir fangen wir erst am Samstag.

00:16:04: Okay

00:16:05: Ja ich tue mich ja tatsächlich bisschen schwer mit dem Begriff Operette, beziehungsweise für mich ist es nicht so eindeutig.

00:16:12: Ich fand das spannend was ihr gesagt habt.

00:16:15: Harald ich habe doch noch überlegt warum ist es keine opera-Bufa?

00:16:17: Warum ist es vielleicht eher eine Operette?

00:16:20: Ich denke formalistisch ist das vielleicht nicht ganz so einteutlich.

00:16:23: Ich glaube wir haben auch Sprechtexte drin.

00:16:26: Es ist wahnsinnig skurril!

00:16:28: Ich hab lustigerweise von nicht allzu langer Zeit ne zeitgenössische Uraufführung einer Operette gemacht.

00:16:34: Das war etwas völlig anderes vielleicht mehr im klassischen Sinne einer Operette.

00:16:39: Aber Oskars Tras Neu, den wir auch in der neuen Operjahr gerade letztes Jahr schon mal hatten hat einen ganz fantastischen Humor und auch ein ganz scharfen Blick habe ich das Gefühl auf die Texte, die ihr benutzt.

00:16:55: Ich weiß gar nicht ob Operette so strikt gemeint ist wie jetzt eine Wiener oder eine französische Operette Oder ob nicht auch schon in dem Titel irgendwie vielleicht ein Spiel drin steckt.

00:17:09: Da weißt du vielleicht, hast du ihn dazu ja befragt?

00:17:13: Noch nicht!

00:17:14: Ich verspreche es euch.

00:17:16: Was ich sehr operettig von Anfang an fand ist gerade dieser Ensemble-Charakter weil wir steigen ja ein und jetzt können wir vielleicht auch ein bisschen in die Handlung einsteigen.

00:17:28: also es dreht sich hier alles um den siebzehnjährigen Vitoll der steht im Zentrum Barfuß durchs Leben geht oder zumindest gehen möchte.

00:17:36: Vielleicht kommen wir da auch noch gleich darauf, warum das so ist?

00:17:40: Er wird von seinen Eltern und von seinen drei Geschwistern ja sehr drangsaliert.

00:17:45: am Abend vor der avisierten Reifeprüfung.

00:17:48: Wird er verspottet und geprüft Angeklagt.

00:17:54: Und Witold weigert sich ja diese Rolle anzunehmen, die ihm seine Familie aufdrücken muss und das ist für mich dieses Ensemble gegen einen.

00:18:02: Das war von Anfang an der Moment, der mich an sehr viele Operetten erinnert hat Die große bitter-böse meute Auf eine arme Person, die sich fast kaum wehren kann.

00:18:18: Geschichte wird dieses familiäre Wohnzimmer immer zu größeren Bühnen und zu größere Bühne.

00:18:23: Und Witold flüchtet sich ja ein bisschen in seine eigene Welt, und Johannes jetzt schaue ich dich die ganze Zeit schon an da du Witold spielst.

00:18:32: Kannst du uns vielleicht einen kleinen Einblick geben wie Witold diese ganze Familie wahrnimmt?

00:18:38: Wie erlebt Witold seine Welt?

00:18:42: Ich zögere ihn so für ein bisschen mit der Frage weil das Jahr Also das hat verschiedene Schichten, weil es ja eben so eine historische Figur ist.

00:18:52: Die selber dass auch noch geschrieben hat dieses Stück also wonach die Berette nachempfunden hat und das heißt also wie er es tatsächlich erlebt hat.

00:19:03: damals versucht der uns nahezulegen Das ist schon mal durch die erste Brille das andere wäre jetzt sozusagen Wie wird es jeweils interpretiert?

00:19:12: Wir haben alle schon gesehen der Operette wurde auch vorher schon gemacht und wir haben andere gesehen, da ist das vollkommen unterschiedlich.

00:19:18: Also meine persönliche Rangehensweise ist doch einfach sehr stark.

00:19:23: also gerade bei diesen ganzen Szenen die sich eben um dieses Drehen was du gesagt hattest Und das ist auch das, was erst mal sozusagen etabliert wird.

00:19:31: Dieses Bild wie Tollt gegen die anderen – das ist extrem stark!

00:19:35: Also da ist es wie ein Wust der auf ihn einströmt die ganze Zeit.

00:19:39: Also regelrecht gewaltsam wird.

00:19:42: die Familie immer wieder macht sich überhin lustig und will ihn nicht so sein.

00:19:46: lassen wir er ist usw.

00:19:47: Das sind ja alles Dinge, die wir kennen und die sind hier extrem überspitzt.

00:19:52: Das ist fast schon so stark, dass es ein bisschen schwer ist darin dann als Vitold sozusagen zu sehen.

00:19:59: Bin ich wirklich völlig draußen?

00:20:01: Also bin ich wirklich so komplett... habe ich überhaupt gar keinen Verbindung mehr zur Welt?

00:20:06: oder bin nicht eigentlich derjenige, den die Verbindung zur Welt hat und diese Familie ist eher das Absurde?

00:20:11: Und weil das auch so stark überzeichnet ist sozusagen, ist das hier finde ich genau eigentlich aus meiner Vitolt sich sozusagen Die interessante Perspektive sind dir eigentlich komisch oder ich.

00:20:23: Und

00:20:24: ja, das ist sozusagen das wo sich dann alles nachhinein entwickelt.

00:20:30: Was sagen denn die anderen?

00:20:32: Also wenn dich jetzt Katarina du sitzt hier neben mir Wenn ich mir denke du bist die Mutter der Bub will aber unbedingt barfuß sein Wie findest du das als Mutter?

00:20:41: würde man dann als mutter nicht eher sagen naja gut wenn du halt unbedingt bar fuß sein möchtest dann sei Barfuß

00:20:47: Die Mutter die ich jetzt spiele.

00:20:49: sie kümmert nur um sich selbst ganz hyperhondrisch und denkt nur, oh Gott ich will nicht krank werden.

00:20:58: Wub interessiert überhaupt

00:20:59: nicht glaube ich.

00:21:00: also ich darf endlich eine Drama Queen auf der Bühne zu spielen.

00:21:06: ja das macht Spaß aber sie kümmert nicht sich wirklich um die Kinder glaube ich.

00:21:11: so sehe ich das.

00:21:14: Und warum hat der Rest der Familie eigentlich sowas dagegen?

00:21:16: Das wird heute barfuß sein möchte.

00:21:19: Ja, ich denke es geht eben genau um diese... was Johannes schon angesprochen hat.

00:21:24: Um die Frage nach Anpassungen und

00:21:30: nach

00:21:31: Formen in denen man sich hinein gezwungen wird vielleicht auch von der Gesellschaft Und da ist auch... Ich finde es spannend dass du das Barfuß so oft erwähnt hast weil für mich war das nie der zentrale Punkt in diesem Stück eigentlich diese Barfüßigkeit.

00:21:47: Die war nur ein Aspekt einer sehr vielschichtigen Fragestellung dessen, was ist normal und was ist nicht normal?

00:21:56: Und was machen die scheinbar Normalen mit denen sie nicht normal sind oder sich nicht an die Normalität die Suggerierte anpassen wollen.

00:22:08: Ich denke das ist das auch bei Gompovic glaube ich in seinem Werk immer wieder die Frage in denen wir sind und in den wir leben.

00:22:22: Und was spielen wir für Rollen?

00:22:26: In diesen Kontexten, so wie wir also als Ensemble.

00:22:30: Witold bleibt... Also ist irgendwie zum größten Teil Witold!

00:22:35: Wir ändern aber immer wieder auch die Masken.

00:22:39: Dann sind wir Staatsanwälte oder Richter

00:22:41: oder

00:22:43: Lehrerinnen.

00:22:43: Nee, Lehrer in dem Fall.

00:22:45: Klassenkameradinnen.

00:22:47: Aber sind halt trotzdem irgendwie gleich Und das finde ich eigentlich sehr spannend

00:22:53: an dem Stück.

00:22:55: Zum Thema Barfußigkeit möchte ich mich nur mal auf einem kleinen Begriff beziehen, den Felix auch erwähnt hat zur Normalität.

00:23:06: Die Frage ist was?

00:23:07: Was ist normal... Auch das bezieht sich auf den Kontext immer.

00:23:13: Normalerweise der Mensch ist nackt geboren und er hat von Natur aus bis immer barfuß gelaufen.

00:23:20: Aber in der Gesellschaft hat sich dann irgendwann ein Gebürger, der man läuft mit Schuhen am besten mit guten Schuhe.

00:23:29: Auch je nach Anlass mit ganz bestimmten Schuheen.

00:23:33: und die Rolle des Vaters zum Beispiel, der ein Mann ist, der für strenge Ordnung steht und ja für Ansehen in der Geselbschaft, wie ihm gehört es, es zieht sich halt nicht.

00:23:49: macht man halt nicht, barfuß durch die Gegend zu laufen.

00:23:54: Und dann kommt es das ihr... also die Familie verwandelt sich und Withold verwandt sich ja auch oder verwandlt sich nicht sondern denkt sich in historische Figuren hinein.

00:24:11: Wie passiert das?

00:24:13: Endet ihr tatsächlich den Charakter oder wie darf ich mir das vorstellen?

00:24:19: Also ich denke, dass was uns das Libretto vorgibt und wie es auch komponiert ist.

00:24:26: Ist es so, dass die Figur, die sich dann in die historische Figur sozusagen verwandelt eigentlich die gleichen Charakterzüge aufweist oder

00:24:40: mindestens ähnlich?

00:24:41: Ja also werdet ihr denn genau zu diesen Figuren weil diese historischen Persönlichkeiten Die dekungsgleichen Eigenschaften haben wie die Familienmitglieder?

00:24:51: Vielleicht wird ja auch andersherum ein Schuh draus.

00:24:54: Es gibt die gleichen Charaktere in jedem Kontext.

00:24:59: Also nicht, wir haben jetzt die Person ausgesucht weil sie gleich sind als die Familien-Mitglieder sondern es sind diese Stereotype in Anführungszeichen die da in der Familie repräsentiert werden und die finden wir auch in ganz vielen anderen Kontexten.

00:25:12: Wir finden dieses Stereotype in der Schule, wir finden Sie in der Politik Ja, in der Familie oder in einer Musterungskommission?

00:25:47: so schön Makro- und Mikrostrukturen, also eben im Kleinen wie es im Ganzkleinen dann so wie in ganz Großen gehen kann.

00:25:55: Und das Ganze hat ja auch da nochmal diese Kriegsthematik mit drin sogar offensiv wird die immer wieder den Leuten vor die Nase

00:26:05: gehalten.

00:26:06: Genau wir befinden uns ja dann eigentlich kurz vor dem Ersten Weltkrieg oder?

00:26:11: Mit Zanikula aus dem zweiten und Wilhelm II.

00:26:15: Was ich mich gefragt habe, schon wenn ich das allererste Mal die Noten gesehen und gelesen habe.

00:26:21: Das Libretto

00:26:22: usw.,

00:26:24: bei mir war die Frage sind ja die Rollen des Vaters Mutter Brüder und der Schwester.

00:26:31: eigentlich Sind es die Personen oder sind sie einfach nur gezeigt durch eine Brillen von wie toll selbst?

00:26:41: Und das ist ein Moment, wo ich mich immer frage.

00:26:44: Okay?

00:26:44: Ist es wirklich tatsächlich... ...das Charakter oder die Energie von dieser Person?

00:26:49: Oder nimmt der Witol dieser Person so

00:26:54: vor?

00:26:56: Aber inwieweit ist das relevant?

00:26:58: Ich denke, es ist ganz relevant weil auch um das Publikum wenn man sich identifiziert mit den Menschen Die auf der Bühne was spielen oder eine Rolle spielen.

00:27:09: Mindestens wenn ich im Theater gehe, versuche mich mit Rollen zu identifizieren.

00:27:16: Und wenn ich über so ein Stück von Publikumseite sehen würde, dann würde ich mich schon fragen, ist das wirklich tatsächlich die Rolle oder eine Rolle gesehen durch die Augen von den anderen Personen?

00:27:29: Das ist eine Senderempfängergeschichte

00:27:33: nach dem.

00:27:34: Und wie das ja auch grundsätzlich so ist, insofern auf der Titel eben sehr witzig.

00:27:37: Auch bei Geschichtsschreiben, die ja immer egal was sie isst, subjektiv passiert und hier eben aus den Augen er kann seine Familie im Soda stellen, wer sie wahrgenommen hat oder er kann sogar noch überzeichnen genauso werden Geschichten und Bücher geschrieben.

00:27:52: Wie endet denn das Stück?

00:27:55: Dürfen wir das jetzt schon vorweg nehmen?

00:27:58: Aber dafür sollten sie

00:28:01: alle kommen und schauen, wie das endet.

00:28:04: Das ist eine

00:28:04: sehr interessante Frage.

00:28:06: Überdiesmal

00:28:08: wie das anders ist.

00:28:10: Nein aber eine ernsthafte Frage gibt es so etwas wie ein Ende des Stücks?

00:28:16: Weil was ich jetzt ja auch schon bisschen herausgehört habe mit diesen Stereotypen wirkliche Entwicklungen in den Figuren Spricht man ja sehr oft.

00:28:26: In Podcasts und Publikumsgesprächen spricht man immer über die Entwicklung der Figuren, die gibt es hier nicht.

00:28:33: oder entwickelt sich irgendwas

00:28:37: da auch.

00:28:37: Also

00:28:38: ich würde schon sagen, Davidl entwickelt sich ziemlich

00:28:42: stark.

00:28:42: Das wollte ich dir sagen.

00:28:43: Geschichte.

00:28:44: Ja, es ist ein bisschen schwierig zu sagen ob er sich entwickelt in der Tat weil also er macht viel durch und das wird erst auch immer etabliert mit was für Problemen er zu kämpfen hat.

00:28:55: aber er hat natürlich sehr viel produktives Potenzial wie auch destruktives.

00:29:00: Aber er ist der Außenseiter als der Individualist.

00:29:02: Das heißt er hinterfragt Dinge Er geht auf den Grunderdinge Und ich finde eben so interessant auch so schön dass das dann hier ebenso gewendet wird Dass er eigentlich derjenige isst Der dann gerne den Ausbruch des Ersten Weltkriegs verhindern würde, und zwar indem er mit den Leuten spricht und deeskaliert.

00:29:19: Und in diesem Sinne ist sozusagen dieses was man sonst immer so sagt ja also Geschichte ist eine Gegenwartwissenschaft.

00:29:27: Dieses Stück Geschichte ist ein Gegenwartsstück also absolut.

00:29:31: Aber das ist interessant was du sagst dass er verhindert möchte dass der erste Weltkrig ausbricht denn er denkt sich ja in eine andere Figur hinein.

00:29:38: Er hat ja erst diese Schuldgefühle Denn er denkt sich ja hinein, dass er eigentlich der Auslöser sein könnte in dem er den Tonfolger ins Sarajevo erschießt.

00:29:49: Ganz genau!

00:29:49: Das ist die andere Seite der Medaille.

00:29:51: Der Individualist kann natürlich in jede Seite sich entwickeln.

00:29:54: Auch zum Beispiel wie nazistische Persönlichkeiten oft wichtige Personen ergreifen weil sie auch sehr initiativ sind – sehr anders wenn nicht verstanden werden von Leuten und Sie können sowohl Produktives wie auch destruktives Potential haben.

00:30:06: Und bei ihm weiß man nicht so ganz genau, es ist ja vielleicht auch alles nur eine Fantasie von ihm.

00:30:10: Schön ist aber dass er spricht im Stück alle Dimensionen an.

00:30:14: also es kann seine persönliche Geschichte sein Er hat etwas kaputt gemacht oder er möchte etwas heilen.

00:30:18: Es kann aber auch eben tatsächlich... tatsächlich die historische Dimension haben.

00:30:22: Weil Bitoit macht schon klar, dass er über Dinge nachdenkt und das er hinterfragt und nicht einfach mit dem Leben schwimmt was eben die Familie ihm immer gerne sagen möchte.

00:30:32: Das möchte er so nicht und deshalb ist es einfach sozusagen, es reizt wirklich das ganze Potenzial eines Menschen aus der nicht mit dem Sturm schwimmen möchte.

00:30:42: Warum sollte man sich Geschichte von der neuen Oper Wien jetzt auf keinen Fall entgehen lassen?

00:30:50: Oh, ich denke viele werden sich selbst in bestimmten Rollen finden.

00:30:56: Hundertprozentig!

00:30:58: Meinst du es ist so entlarvend das Stück?

00:30:59: Absolut!

00:31:00: Hat das jetzt was Gutes ist?

00:31:02: Doch

00:31:03: doch vielleicht wird man verstehen okay Jetzt sehe ich mich auf der Bühne und will ich tatsächlich sowas nochmal machen in meinem Weltleben Vielleicht nicht, vielleicht doch, vielleicht ein bisschen stärker Aber ich denke es ist tatsächlich ein Selbsterkennungsmoment.

00:31:19: Sollen wir die Leute

00:31:20: einladen?

00:31:21: Ja, kommt es doch einfach und

00:31:23: so.

00:31:23: Das wird lustig!

00:31:24: Es wird sehr lustig.

00:31:26: Also ich danke euch recht herzlich dass ihr euch nach der Probe eben Zeit genommen habt um hier Rede und Antwort zu stehen.

00:31:33: Premiere ist am sechzehnten September im Mark.

00:31:35: alle weiteren Informationen und Tickets finden sie natürlich wie immer auf der Website.

00:31:40: Danke fürs Zuhören, danke an euch alle treu-treu-treu für den sechziehnten september und für alle weiteren vier Vorstellungen.

00:31:48: Und ich sage auf Wiederhören bei den Klangreisen dem Podcast der neuen Oper Wien.

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